Dem deutschen Marketing hängt oft ein verstaubtes Image an. Wo liegt Ihrer Meinung nach das Problem?

Alexander Klaus: Ich glaube, dass es sich tatsächlich um ein Kreativproblem handelt. Lassen Sie uns klassische Werbung als Beispiel nehmen: Hier gehen deutsche Marketer im Vergleich zu den Kollegen aus den USA oder England meist auf Nummer sicher. Dies ist schade, denn es gibt beim deutschen Publikum eine große Bereitschaft, kreative Botschaften positiv aufzunehmen. Beispielsweise bleibt die Edeka-Werbung mit ihrem Supergeil-Slogan gut im Gedächtnis.

Es gibt aber noch andere positive Beispiele: Im digitalen Bereich, durch soziale Netzwerke, andere Zielgruppen und generell das Medium Internet wird das verstaubte Image immer mehr abgelegt. Hier sehe ich auf jeden Fall Kreativität.

Wenn Marketing immer datengetriebener wird, welche Rolle spielt dann noch das „Bauchgefühl“ des Marketers?

Wenn Marketing immer datengetriebener wird, welche Rolle spielt dann noch das „Bauchgefühl“ des Marketers?

Alexander Klaus: Das Bauchgefühl sollte bei keiner Entscheidung außer Acht gelassen werden, denn Marketing hat auch eine emotionale Komponente. Schließlich handelt es sich bei unserer Zielgruppe um Menschen aus Fleisch und Blut und nicht irgendwelche Algorithmen. Dennoch sollten alle Bauchentscheidungen mit Daten abgeglichen und unterfüttert werden.

Kein Marketingverantwortlicher kann die Vielzahl an Variablen überblicken und Bezüge setzen, ohne über die entsprechende technologische Grundlage zu verfügen. Und das glaube ich nicht nur, weil ich mich tagtäglich mit dem Thema Business Intelligence beschäftige. Mit einem umfassenden Blick auf die Zielgruppe, auf Conversion Rates und Kundenzufriedenheit, Kosten pro Response oder akquiriertem Kunden lassen sich viel schneller Marketingideen anpassen oder Kampagnen justieren.

Nur bei einem Aspekt zählen rein die Daten und Fakten – nämlich bei der Zielgruppendefinition und -selektion. Hier ist jegliches Bauchgefühl fehl am Platz!

Alexander Klaus, Director Marketing D/A/CH

Alexander Klaus, Director Marketing D/A/CH

Qlik

Alexander Klaus ist für alle Marketing- und PR-Aktivitäten von Qlik in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Der Diplom-Betriebswirt verfügt über eine langjährige Erfahrung in der IT-Industrie und speziell in der BI-Branche.

Vor seinem Wechsel zu Qlik arbeitete er als Product Marketing Manager Business Intelligence bei Microsoft, davor insgesamt fünf Jahre lang zunächst als Marketing Director Central Europe, dann als Director Field Marketing EMEA bei Business Objects. Weitere Stationen seiner Karriere beinhalteten unter anderem leitende Positionen bei Crystal Decisions, Update.com Software Germany, Gentia Software und Hyperion.

Welche Daten nutzen Sie persönlich, um Ihre Marketingstrategien zu planen?

Welche Daten nutzen Sie persönlich, um Ihre Marketingstrategien zu planen?

Alexander Klaus: Wir werten selbstverständlich Kampagnenergebnisse detailliert aus, um einschätzen zu können, welche Zielgruppen innerhalb unseres Qlik-Universums auf welche Kampagnen positiv reagiert haben. Dieser Blick zurück ermöglicht es uns, zukünftige Kampagnen noch präziser auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe auszurichten.

Ein Ergebnis war beispielsweise neben unserem bestehenden horizontalen Ansatz eine stärkere vertikale Ausrichtung für Supply Chain und Healthcare zu verfolgen und dieser Zielgruppe spezielle vertikale Lösungen anzubieten. Breit kommuniziert werden hingegen Produktreleases, ganz klassisch unterschieden zwischen dem Fachanwender und der IT-Abteilung als Zielgruppe.

Was in unserem Fall vielleicht etwas besonders ist: Wir analysieren sämtliche bestehende Daten mit unseren eigenen Qlik-Produkten und nutzen diese aber auch, um Lücken in den Daten zu erkennen und – wo erforderlich –  entsprechend mit Daten anzureichern. Als konkretes Beispiel sei hier die Identifikation von klar definierten Ansprechpartnern oder Zielgruppen in einem Account oder Segment über XING, LinkedIn oder dem Web genannt.

Den Blick auf das „große Ganze“ ermöglicht das von uns aufgesetzte End-to-End-Kampagnenmanagement. So können wir unseren Marketingkampagnen durch den gesamten Sales Funnel-Prozess folgen und Ergebnisse messen.

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