Wenn Kommunikation so richtig schiefgeht, dann ist sie lustig. Bester Beweis dafür sind die Audiofiles mit Edmund Stoibers most famous words (Spiegel: „Stoibers gestammelte Werke“) oder diverse rhetorische Ausrutscher hörbar überforderter Fußballprofis („Ich sag mal einfach jetzt ja gut sicherlich“). Das legt den Schluss nahe, dass professionelle Kommunikation alles daran legen muss, um eben nicht witzig zu sein, wenn sie professionell wirken oder gar sein will. Sachlich, klar, präzise – dann kann nichts schiefgehen. Damit ist aber nur die halbe Wahrheit ausgesprochen…

Ironie-Verbot
Sicher ist eines: In der professionellen Kommunikation gibt es ein klares Ironie-Verbot. Denn wer sagt, was er eigentlich nicht meint, und verschweigt, was er eigentlich sagen will (denn genau das ist die Funktionsweise von Ironie), der spielt ein gefährliches und ganz und gar nicht zulässiges Spiel mit seinen Zuhörern – seien es die Mitarbeiter eines Unternehmens oder aber Journalisten. Oder würden Sie als Mitarbeiter eines kriselnden Unternehmens auf einer Betriebsversammlung gerne den Satz eines Vorstandsmitglieds hören: „Ich freue mich, Sie zu diesem schönen Anlass hier alle versammelt zu sehen“? Der Adressat von Ironie kann auf den gar nicht so abstrusen Gedanken kommen, hier wolle sich einer in Sicherheit bringen, ja hier mache sich einer über sie lustig. Und in der Tat: Ironie ist per definitionem ein sprachlicher Schutzwall, der Dialog verhindert. Und daher hat sie in der professionellen Kommunikation nichts zu suchen.

Witzige Schlagfertigkeit kommt an
Aber Ironie ist ja nun beileibe nicht die einzige Form rhetorischen Humors. Witzige Schlagfertigkeit ist eine andere. Jeder wird bestätigen, das man schlagfertigen Menschen, die pointenreich und flott sprechen, die in der Lage sind, ihre Rede mit Anspielungen und Anekdoten anzureichern, viel lieber zuhört als drögen Auswendiglernern und Sprachingenieuren, die das rhetorische Charisma einer 5-Watt-Glühbirne versprühen.

Sicher, die Gefahr besteht immer, dass solche sprachlichen Performance-Künstler und rhetorischen Hochseilartisten sich massiv verturnen, dass sie dann und wann unkontrolliert werden, dass sie die vereinbarten Leitplanken der Kernbotschaften und des Messagings durchbrechen oder dass sie ganz einfach mehr oder weniger weit übers Ziel hinaus schießen – und dies meist ohne zwingenden inhaltlichen Grund und nur, um eine Pointe zu setzen. Jeder Kommunikationsprofi hat so etwas in seiner Karriere sicher schon einmal erlebt. Aber: Dieses Kollateralrisiko witzig-schneller-assoziativer Kommunikation ist durchaus eingrenzbar, durch Trainings beispielsweise. Der Vorteil solcher Sprechtalente überwiegt eindeutig die Nachteile. Bei der Auswahl von Unternehmenssprechern sollte man also immer genau darauf achten, ob man nicht etwa einen verkappten Stefan Raab, Thomas Gottschalk oder gar einen zweiten Harry G* in den eigenen Reihen hat.

Fingerspitzengefühl ist entscheidend
Gibt es Situationen, in denen sich jegliche Art von Humor in der professionellen Kommunikation von vorneherein verbietet? Kaum. Es kommt immer auf das Fingerspitzengefühl und auf den guten Geschmack (der bekanntlich nur bedingt erlernbar ist) an. Man muss sich nur klar machen, dass selbst eine Grabrede durch sensibles Einstreuen humorvoller Anekdoten über den Verstorbenen an Profil gewinnen und die Trauergemeinde in der Erinnerung zusammen schweißen kann. Auf jeden Fall aktiviert sie viel mehr Emotionen und Anteilnahme als das trockene Aufzählen von Lebensdaten und biographischen Fakten. Und wer bei einem solchen Anlass salbadert, der macht die Situation nur noch schlimmer und hat gleich verloren.

Humor baut Energien ab
Was ist die Grabrede für professionelle Kommunikation? Ein Krisenstatement. Auf den ersten Blick scheinen sich Krisenkommunikation und Humor zu widersprechen. Denn wir haben alle gelernt, worum es im Ernstfall geht: Aufklärung, Transparenz, Aktivität. Was soll da eine Schote bewirken? Ein Gag? Oder ein Kalauer? Man darf aber eines nicht vergessen: Humor baut Energien ab. Humor entlastet. Humor wirkt manchmal wie eine Katharsis. Und so ist es durchaus erlaubt, die Spannung eines krisenhaften Moments mit einer gekonnten Pointe zu entlasten – mündlich, versteht sich. In der schriftlichen Krisenkommunikation haben „Späßle“ nichts zu suchen.

*Fußnote Hary G: Markus Stoll alias Harry G gilt mit sechs Millionen YouTube Clicks und über 110.000 Fans auf Facebook als zeitgemäßer Botschafter bayerischer Lebensart. Bissig und zuweilen politisch unkorrekt hält er seinen Mitmenschen den Spiegel vor und bringt dabei so manche Absurdität seines Umfeldes zu Tage.