Martin (23) sucht auf dem Weg zum IT-Studium Jobs auf dem Smartphone. Wie er sich das Arbeitsleben vorstellt, ist klar: Er möchte seine Ideen verwirklichen, selbstständig arbeiten und genug Zeit für das Fitnessstudio haben – dass er dort auf Unternehmenskosten trainiert, ist selbstverständlich.

Die plakative Darstellung von Martin ist fiktiv, aber die Arbeitswelt wandelt sich.  Was im Rahmen der Digitalisierung unter dem Begriff Arbeit 4.0 zusammengefasst wird, meint einen technologischen und kulturellen Wandel. Unternehmen stehen vor vielen Herausforderungen – die vom Fachkräftemangel über Vorstellungen der Gen Y, wie die Selbstverwirklichung im Job, bis zum zunehmenden Innovationstempo reichen.

Neben Herausforderungen, haben Unternehmen aber auch die Chance, die neue Arbeitswelt mitzugestalten. Voraussetzung dafür: Die HR-Trends kennen – oft ist es jedoch gar nicht leicht, den Überblick zu behalten. Was beschäftigt die HR-Branche momentan? Eine Auswahl gibt´s hier.

Mit wenigen Klicks zum Traumjob – jederzeit & überall

Klar, die Zeiten in denen Bewerbungsmappen per Post verschickt worden sind, gehören der Vergangenheit an. Bewerbungsverfahren laufen mittlerweile digital ab, doch ist die Zukunft der Jobsuche auch mobil? Schließlich verändert die zunehmende Verbreitung von Smartphone, Tablet & Co. auch das Bewerbungsverhalten. Ob zu Hause auf dem Sofa mit dem Tablet oder in der U-Bahn auf dem Smartphone: Viele suchen offene Stellen über mobile Geräte.

Mobile Recruiting wird vermutlich auch die klassische Bewerbung – Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – früher oder später ablösen. Diese könnte zukünftig durch die One-Click-Bewerbung ersetzt werden, bei der Kandidaten ihr Bewerberprofil aus Businessnetzwerken per Mausklick in Bewerberformulare von Unternehmen übertragen. Bei der Deutschen Telekom AG können Bewerber beispielsweise mit der „Jobs & More“-App ihre Bewerbung samt XING oder LinkedIN-Profil versenden.

Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 nutzen 55 Prozent der User das Internet von unterwegs: Mögliche neue Mitarbeiter, die Karrierewebsites von überall und jederzeit nutzen wollen. Bewerber möchten sich also durchaus mobil bewerben – doch wie weit sind die Unternehmen? Auf alle Fälle sollten sich Arbeitgeber damit beschäftigen, denn ohne mobile Recruiting verlieren sie potenzielle Bewerber.

Tipps für Unternehmen:

• Karriereseiten mit Responsive Webdesign für die Mobilnutzung optimieren – der erste Eindruck zählt
• Stellenanzeigen für den mobilen Zugriff verfügbar machen
• Kandidaten mobile Bewerbungsgmöglichkeiten anbieten
• Bewerbungen via XING oder LinkedIn ermöglichen

Virtual Reality: Die Arbeitswelt in 3D

Der neueste Trend: 360-Grad-Virtual-Reality(VR)-Videos, die den Sprung aus der Gaming-Szene ins Personalmarketing geschafft haben. Durchgesetzt hat sich die virtuelle Realität in der Recruiting-Realität zwar bisher noch nicht wirklich, doch auch für die Personalgewinnung bietet sie Potenzial. Laut einer Umfrage der Jobbörse JobStairs sehen 63,3% der HR-Verantwortlichen die Technolgie als nützliche Erweiterung der Videoformate für das Recruiting.

Was VR-Filme von anderen Formaten unterscheidet: Der potenzielle Mitarbeiter sieht seinen möglichen Arbeitsplatz nicht nur, sondern taucht in den Arbeitsalltag ein – ein virtueller Rundgang durch das Büro, den Kollegen über die Schulter schauen oder das Angebot der Kantine checken. Dafür muss der Kandidat nicht mal vor Ort sein, denn möglich wird das hautnahe Erleben durch die VR-Brille. So wie bei der Deutschen Bahn. Hier können Kandidaten virtuell in Jobs  eintauchen – vom Gleisbau bis zur ICE-Instandhaltung.

Im War for Talents sorgt der Blick durch die VR-Brille für Aufmerksamkeit und authentische Einblicke. Doch Unternehmen sollten auch die Kosten-Nutzen-Relation abschätzen – für die Erstellung der virtuellen Realitäten benötigt es Experten-Know-how und entsprechende Technik. Doch wer Zeit und Geld investiert, kann mit VR-Videos echte Eindrücke vermitteln anstatt Kandidaten mit den immer gleichen Phrasen wie „spannende Projekte im Team mit flachen Hierarchien“ anzusprechen.

Incentives: Originalität anstatt “one-size-fits-all”

Gratis Obst, ein Yogakurs oder ein bezahltes Sabbatical: Der Kreativität sind bei Incentives keine Grenzen gesetzt. Mit diesen Zusatzleistungen, die über die Gehaltszahlungen hinausgehen, wollen Unternehmen Mitarbeiter…

  • …gewinnen
  • …halten
  • …motivieren

Schließlich ist in Zeiten des Fachkräftemangels eine positive Arbeitgebermarke (Employer Brand) wichtig wie nie und Incentives stärken das Image eines Unternehmens. So hören Personalverantwortliche in Vorstellungsgesprächen häufig nicht mehr die Frage: „Bieten Sie den Mitarbeitern Incentives an?“, sondern: „Welche Incentives gibt es?“.

Neben „klassischen“ Benefits wie Boni oder Betriebsrente geht der Trend zu individuellen Incentives. Für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung gilt: Je individueller die Mitarbeiter, desto vielfältiger die Incentives. One-size-fits-all gehört der Vergangenheit an. Die Incentives sollten zum einzelnen Mitarbeiter passen – so freut sich zum Beispiel der sportliche Azubi über ein Dienstrad und der langjährige Mitarbeiter, der mit dem Auto zur Arbeit kommt, über Tankgutscheine. Natürlich ist ein fairer Lohn eine Grundvoraussetzung für ein zufriedenes Arbeitsverhältnis. Doch was für Mitarbeiter genauso wichtig ist: Wertschätzung  –  und genau das drückt ein originelles Incentive aus!

Agile Organisationen: Arbeiten ohne Chefs?

Wenn es um die Arbeit 4.0 geht, taucht ein Begriff immer wieder auf: Agilität. Denn der Wandel der Arbeitswelt ist nicht nur ein technologischer, sondern auch ein Kultur- und Strukturwandel. Genau da setzen agile Organisationen an: Vorbei sind die Zeiten, in denen Mitarbeiter in starren Hierachien Handlungsanweisungen von Führungskräften umsetzen. Vielmehr entstehen Netzwerkstrukturen, in denen alle Teammitglieder mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

Feste Hierachien sind nicht mehr zeitgemäß und auch für Unternehmen lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken. In einer immer schnelllebigeren Wirtschaft stehen sie vor der Herausforderung, auf Veränderungen schnell, effizient und effektiv zu reagieren. Agile Strukturen können dabei mit optimierten Prozessen, schneller Reaktionsfähigkeit, stärkerer Innovationskraft und motivierten Mitarbeitern helfen.

Es ist aber mehr als ein Hype, auf den Unternehmen einfach ausfspringen sollten – die Implementierung agiler Strukturen ist ein langer, teils aufwändiger Transformationsprozess. Nichtsdestotrotz verlangt der disruptive Wandel der Arbeitswelt, über bestehende Strukturen nachzudenken und diese ggf. anzupassen.

Cover Haufe Wir sind Chef

Wir sind Chef

Anregungen hierzu liefert das Buch Wir sind Chef – Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen verändert von Hermann Arnold, Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer der Haufe-umantis AG, das innovative Praxisbeispiele möglicher Organisationsentwicklungen aufzeigt.

 

Wie sehen Ihre Erfahrungen mit der neuen Arbeitswelt aus? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren.

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