1 – Richtlinien für die Erstellung von Mobile Content

Die Internationalisierung von Websites beginnt im Prinzip schon bei der Erstellung der Inhalte in der Ausgangssprache. Hier werden noch allzu häufig Maßstäbe für das Erstellen von (monolingualen) Printinhalten angelegt. Tatsächlich weicht das Leseverhalten von Websitebesuchern deutlich von dem Leseverhalten in den Printmedien ab. Dies gilt nicht nur für Benutzer von Mobilgeräten, sondern auch für Desktop-Benutzer. Bei Mobilgeräten ist die Abweichung jedoch am größten. In Bruchteilen von Sekunden entscheidet der User, ob eine Überschrift vielversprechenden Inhalt bietet. Wird er nach dem Klick auf den Teaser mit einer schier endlosen Textwüste konfrontiert, springt er ab. Dies liegt in erster Linie an der Lesesituation. Mobile User „konsumieren“ Text in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Wartezimmer beim Arzt oder in der Schlange vor der Supermarktkasse. Derselbe Leser, der sich Sonntags morgens genüsslich bei einer Tasse Kaffee einen 4-seitigen Artikel der Zeit durchliest, springt sofort ab, wenn er auf seinem Smartphone auch nur einen einzigen Absatz dieses Artikels lesen soll.

An dieser Stelle sind User aus nahezu allen Kulturkreisen in nahezu allen Altersklassen gleich. Wer also bereits in der Ausgangssprache einen für mobile Geräte optimieren Content bietet, wird auch wenn er alle weiteren Tipps beherzigt, größere Chancen im Rennen der Internationalisierung haben.

 

2 – Achtung bei Grafik und Video!

Sicher gibt es Sachverhalte, die man nicht unbedingt in zwei Hauptsätzen erläutern kann. Hier sollte man sich prinzipiell die Frage stellen, ob eventuell eine Infografik nicht die bessere Lösung ist. Allerdings sollte man hier darauf achten, dass sich möglichst kein Text in den Grafiken befindet, denn auch dieser Text muss später in mehrere Sprachen gebracht werden. Wenn die offenen Formate der Grafiken nicht zur Verfügung stehen, ist

aber der Text einer Grafik nicht mehr editierbar. Das gleiche gilt für Unternehmensvideos. Interviews mit dem Geschäftsführer in seiner Muttersprache sind aufwändig zu internationalisieren. Ebenso Erklärvideos, in denen Text auf eine Tafel geschrieben wird. Hier kann man im Nachgang nicht mehr eingreifen. Man müsste streng genommen für jede Sprache ein neues Video drehen. Am einfachsten sind Animation oder Videosequenzen mit einer Sprecherstimme aus dem Off. Die Tonspur lässt sich beliebig häufig mit unterschiedlichen Sprachen überspielen.

 

3 – Berücksichtigung verschiedener Kulturkreise

Wie bei der Internationalisierung aller anderen Inhalte auch, sind bei der Internationalisierung von Websites die Unterschiede der verschiedenen Kulturkreise zu berücksichtigen. Dies beginnt bei so profanen Themen wie dem Verlauf der Schrift – von rechts nach links, von links nach rechts, von oben nach unten.

Des Weiteren muss geprüft werden, ob das grafische Material in allen gewünschten Kulturkreisen akzeptabel ist. Hier gilt es Gesten, Posen, Kleidungsstil u.v.m. zu überprüfen. Zum Beispiel sind Fotos von Menschen, die sich umarmen oder gar küssen längst nicht in allen Kulturkreisen akzeptabel. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Ihr Sprachdienstleister informiert hier gerne. Je früher der Sprachdienstleister in den Internationalisierungsprozess involviert ist, desto einfacher wird es in der Umsetzungsphase und desto weniger Korrekturschleifen müssen eingebaut werden.

 

4 – SEO nicht übersetzen

In aller Regel werden Webseiten erstellt, damit potentielle Kunden sie hinterher über die einschlägigen Suchmaschinen finden können. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass längst nicht in allen Gegenden dieser Welt Google eine ebenso dominante Rolle hat wie in unseren Breiten. Wer in Russland möglichst gut gefunden werden möchte, muss sich mit dem Algorithmus von Yandex auseinandersetzen und in China heißt der Platzhirsch unter den Suchmaschinen Baidu. Gerade in China gelten noch eine ganze Reihe spezieller Richtlinien, die man einhalten muss.

Wichtig ist vor allen Dingen, dass man sein SEO den regionalen Märkten anpasst. Suchmaschinen sind regional strukturiert, nicht nach Sprachen! Dies bedeutet auch, dass man das Suchverhalten in den entsprechenden Märkten berücksichtigen muss. Auch wenn Briten, US-Amerikaner und Jamaikaner alle Englisch sprechen, heißt das noch lange nicht, dass das Suchverhalten in diesen Märkten identisch ist. Dadurch können Keywords, die in einem Markt sehr gut funktionieren, in einem anderen gleichsprachigen Markt völlig irrelevant sein. Dies soll verdeutlichen, dass eine reine Übersetzung von Keywords nicht zielführend sein kann. Ohne eine saubere Keyword-Recherche ist es reines Glücksspiel, ob das verwendete Keyword Suchvolumen hat oder nicht.

Was oft vernachlässigt wird ist die Anpassung der URL. Suchmaschinen bevorzugen sogenannte sprechende URLs, also Pfade, unter denen eine Seite zu finden ist. URLs wie sie früher oftmals verwendet wurden im Stile von: www.yourdomain.com/page?id=123 gelten mittlerweile als nicht mehr zeitgemäß. Von den Suchmaschinen werden URLs bevorzugt, die dem User bereits einen ersten Eindruck von dem vermitteln, was ihn auf dieser Seite erwartet, also: www.yourdomain/rezept-fuer-zitroneneis. Da auch die URL ein wichtiger Bestandteil für die Beurteilung, ob eine Seite für eine bestimmte Suche relevant ist oder nicht, sollte sie zwingend an die Zielsprache angepasst werden.

Noch wichtiger ist die Anpassung der ALT Tags (Bilder), Title Tags und der Metabeschreibung. Sie sind in wesentlichen Maße für das Ranking verantwortlich! Auch hier sollte jemand mit Erfahrung im Texten solcher Textschnipsel beauftragt werden. Sprachdienstleister sind hierfür in der Regel gut aufgestellt.

 

5 – Standardisierte Plattform – Content Management Systeme

Inhalte, die auf einer standardisierten Plattform wie WordPress oder Typo3 gepflegt werden, lassen sich in der Regel wesentlich leichter internationalisieren als hauseigene Lösungen. Für die beiden oben genannten Content Management Systeme gibt es Plugins, welche die Lokalisierung der Inhalte mit Workflows unterstützen. Das bedeutet konkret, dass zu übersetzende Inhalte exportiert und nach Übersetzung wieder re-importiert werden können. Die Inhalte werden dann offline mit Profi-Übersetzungstools übersetzt. Dies geht deutlich schneller als das direkte Arbeiten im Backend der Website und spart signifikant Kosten. Die Übersetzer arbeiten mit Profi-Tools, die dafür sorgen, dass über alle Texte Konsistenz gewahrt bleibt, auch bei kleineren Updates nach dem Go Live. Translation Memories und Terminologiedatenbanken sorgen dafür, dass der Text auch nach mehreren Überarbeitungsschleifen nicht wie Patchwork, sondern aus einem Guss

erscheint. Zusätzlich kann durch eine professionelle Terminologiearbeit die Verwendung von Eigennamen, nicht zu verwendende Begriffe oder Schreibweisen und das Corporate Wording definiert werden. Die Früchte dieser Arbeit erntet man auch bei späteren Übersetzungen, die über den Webauftritt hinausgehen können. Professionelle Sprachdienstleister sind in der Regel mit den Export-Formaten vertraut, die von diesen Systemen generiert werden. Dank der oben genannten Profi-Tools bleiben beim Sprachdienstleister Code und Steuerzeichen unberührt, das Format bleibt erhalten, nur der Text wird angefasst und übersetzt. Der saubere Export und Re-Import erspart mühsame und vor allem fehleranfällige Kopiervorgänge.

 

6 – Zentrale Vergabe vs Einzelvergabe der Sprachen

Gerade wenn eine Website in sehr viele Sprachen übersetzt werden soll, stellt sich häufig die Frage: Ist es besser für alle Sprache einen einzigen Dienstleister (Übersetzungsunternehmen) zu beauftragen oder jeweils pro Sprache einen Übersetzer/in (Freelancer). Hintergrund ist häufig die Überlegung, dass ja niemand in soundso vielen Sprachen gleichermaßen kompetent sein kann. Doch! Das ist unser Beruf! Professionelle Übersetzungsunternehmen arbeiten je nach internationaler Reichweite weltweit oder für ganz bestimmte Märkte mit entsprechenden Muttersprachlern zusammen. Dies gilt auch für die Qualitätssicherung, die oft intern oder über Kooperationspartner erfolgt. Die Bündelung von vielen Sprachen auf einen einzelnen Dienstleister vereinfacht für den Auftraggeber die Kommunikation enorm! Der Auftraggeber muss nur ein einziges Mal briefen und bei Fragen im Projektverlauf (Rückfragen sind übrigens völlig normal und eher ein gutes Zeichen) muss der Auftraggeber diese nur einmal beantworten, anstatt alle unabhängig voneinander operierenden Dienstleister einzeln zu informieren. Bei einer zentralen Vergabe kümmert sich der Sprachdienstleister darum, dass alle involvierten Kollegen informiert werden. Der Klassiker in diesem Kontext ist der Fehler in der Ausgangssprache. Ja, auch dies kommt vor und er bleibt höchst selten unentdeckt. Anstatt alle einzelnen Sprachdienstleister einzeln zu informieren, reicht es den zentralen Ansprechpartner zu informieren, der sich um alles Weitere kümmert. Bei der zentralen Vergabe, wird der professionelle Sprachdienstleister eine Termliste (Eigennamen, nicht zu übersetzende sowie technische Begriffe, Corporate Wording) anhand der Ausgangssprache anlegen und mit dem Kunden absprechen. Diese Liste wird anschließend von allen Übersetzern beachtet, bearbeitet und bei Bedarf gefüllt. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der sprachübergreifenden Konsistenz. Übersetzungsunternehmen unterziehen jede Sprache einen Check im Vier-Augenprinzip.

Nach ISO 17100 zertifizierte Unternehmen verpflichten sich dazu standardmäßig. Ist der Dienstleister Ihrer Wahl nicht zertifiziert, sprechen Sie ihn auf seine Qualitätssicherungsprozesse an und nehmen die ISO 17100 als Leitfaden.

 

7 – Durchlaufzeiten und Sprachen

Einem Einkäufer von Übersetzungen und Dienstleistungen rund um die Internationalisierung stellt sich irgendwann auch die Frage der Kosten und der Durchlaufzeit. Beide stehen in direkter Abhängigkeit von der gewünschten Qualität des Endprodukts. Von daher sind allgemeine Aussagen zu Kosten und Durchlaufzeiten nicht möglich. Generell gilt, dass auch bei Sprachdienstleistungen Qualität ihren Preis hat und dass erstklassige Qualität nicht über Nacht entstehen kann.

Es ist richtig, dass Sprachdienstleister für unterschiedliche Sprachen teilweise unterschiedliche Preise anbieten. Dies hat mit den Gegebenheiten der einzelnen Märkte zu tun. Oftmals werden im Angebot Sprachen in Sprachgruppen preislich zusammengefasst.

Gastautorenprofil

Der Verband „QUALITÄTSSPRACHENDIENSTE Deutschlands (QSD) e.V.“ wurde im Jahr 1998 unter dem Dach der europäischen Organisation  EUATC (European Union of Associations of Translation Companies) gegründet. Die Mitglieder des QSD spielen in ihrer Gesamtheit eine bedeutende Rolle im deutschen Übersetzungsmarkt. Zu ihren Kunden zählen mittelständische und große Unternehmen mit internationalem Geschäft, darunter die deutschen DAX-Unternehmen, Industriekunden ebenso wie Banken, IT-Unternehmen oder Maschinenbauer.

Im QSD e. V. haben sich qualitätsbewusste Übersetzungsunternehmen zusammengefunden, die über geprüfte Qualitätssicherungssysteme verfügen. Sie sind nach DIN EN ISO 9001 beziehungsweise DIN EN ISO 17100 zertifiziert oder haben Qualitätssicherungssysteme nach den QSD-Qualitätsrichtlinien nachgewiesen.